Mit dem Ende des Jahres ist es wieder Zeit für einen Blick nach vorn. Prognosen liegen nie zu hundert Prozent richtig – manche treffen ein, andere nicht. Genau so war es auch im vergangenen Jahr. Dennoch helfen Thesen dabei, Wahrscheinlichkeiten abzuwägen und das eigene Portfolio strategisch auszurichten. Die folgenden zehn Punkte stellen Szenarien dar, deren Eintrittswahrscheinlichkeit aus heutiger Sicht jeweils über 50 Prozent liegen könnte.
1. Frieden oder Waffenstillstand in der Ukraine
Seit zwei Jahren steht diese These im Raum, doch für 2026 verdichten sich die Anzeichen. Beide Seiten wirken kriegsmüde, Ressourcen und politische Unterstützung schwinden. Hinzu kommt ein mögliches Interesse eines künftigen US-Präsidenten Trump an einem diplomatischen Erfolg. Ein Waffenstillstand würde vermutlich zu Kursrückgängen bei Rüstungsaktien führen, während Unternehmen mit Ukraine-Bezug deutlich profitieren könnten. Auch wenn es nur wenige reine Investment-Vehikel gibt, wäre dies ein zentrales geopolitisches Thema für 2026.
2. Ein neuer, „tauber“ Fed-Chef
Trump dürfte einen neuen Vorsitzenden der US-Notenbank ernennen – vermutlich jemanden mit deutlich lockerem geldpolitischem Kurs. Das wirft Fragen zur Unabhängigkeit der Fed auf, könnte aber Zinssenkungen begünstigen. Die US-Wirtschaft ist schwächer, als es der KI-Investitionsboom vermuten lässt. Sollte KI tatsächlich Effizienzgewinne bringen, könnte sie langfristig sogar deflationär wirken – ein Umfeld, das Aktien grundsätzlich unterstützt.
3. Comeback der Schwellenländer – Fokus Lateinamerika
Ein schwächerer US-Dollar würde Rohstoffpreise stützen und Ländern wie Brasilien helfen, deren Bewertungen historisch niedrig sind. Politisch deutet vieles auf einen Rechtsruck hin: Argentinien, Chile, Peru und Bolivien haben bereits konservativere Regierungen, 2026 stehen Wahlen in Brasilien an. Ein Regierungswechsel dort könnte einen neuen Lateinamerika-Zyklus einleiten – ähnlich wie vor 15 Jahren.
4. Ernüchterung bei KI-Investments
Der Nutzen von KI ist unbestritten, doch die Monetarisierung bleibt schwierig. Viele Nutzer zahlen wenig oder gar nichts, während die Investitionen in Chips und Rechenzentren extrem kapitalintensiv sind. Zudem könnten effizientere Modelle bestehende Hardware schnell entwerten. Ein Crash ist nicht zwingend, aber eine deutlich schwächere relative Performance der großen KI-Player erscheint wahrscheinlich.
5. Renaissance der Small Caps
Nach rund drei Jahren Underperformance sind Small Caps sowohl im Growth- als auch im Value-Bereich attraktiv bewertet. Sinkende Zinsen und eine mögliche Rotation weg von hochgewichteten Large Caps könnten kleinere Unternehmen wieder in den Fokus rücken. Auch aktive Fonds dürften davon profitieren.
6. Durchbruch bei Robotik und autonomem Fahren
Robotik, autonome Fahrzeuge und Humanoide könnten 2026 sowohl technologisch als auch an der Börse den nächsten Schritt machen. China wird hier führend bleiben, aber auch Tesla und europäische Maschinenbau-Unternehmen könnten profitieren. Für Europa bietet sich die Chance, zumindest bei industrieller Robotik mitzuhalten.
7. Instabilität und möglicher Wandel im Iran
Das iranische Regime wirkt innerlich geschwächt, der Präsident ist alt, die Unterstützung in der Bevölkerung gering. Ein politischer Wandel wäre positiv für die gesamte Region. Parallel modernisieren sich Länder wie Saudi-Arabien deutlich – gesellschaftlich wie wirtschaftlich. Das könnte langfristig auch den Einfluss des Islamismus schwächen.
8. Rückkehr der Software-Aktien
Cloud- und Software-Unternehmen galten zuletzt als Verlierer des KI-Hypes. Doch die These, dass KI klassische Software ersetzt, greift zu kurz. Im Gegenteil: Viele Software-Firmen integrieren KI erfolgreich in ihre Produkte. Eine Marktkonsolidierung zugunsten großer Anbieter ist möglich, insgesamt dürfte sich der Sektor aber erholen.
9. Sportlicher Optimismus: Deutschland bei der WM
Deutschland wird vermutlich nicht Weltmeister, doch ein gutes Turnier mit jungen Spielern ist realistisch. Niedrige Erwartungen könnten für positive Überraschungen sorgen – und damit auch für bessere Stimmung im Land.
10. Politischer und wirtschaftlicher Wendepunkt in Deutschland
Die Stimmung in Deutschland ist extrem schlecht, der Reformdruck steigt. Spätestens bei weiteren Wahlerfolgen der AfD dürfte es zu einem Richtungswechsel kommen. Themen wie Sozialstaat, Arbeitsanreize und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit müssen angegangen werden. Ein Reformschub, kombiniert mit geopolitischer Entspannung, könnte Europa und insbesondere deutschen Aktien neuen Auftrieb geben.