Immobilienportale gehören zu den wenigen digitalen Geschäftsmodellen mit extrem starken Netzwerkeffekten. In vielen Ländern hat sich jeweils ein dominanter Anbieter etabliert, der kaum noch verdrängt werden kann. In Deutschland ist es die Scout24-Gruppe, in Großbritannien heißt der klare Marktführer: Rightmove.
Ein Geschäftsmodell mit dauerhaften Netzwerkeffekten
Rightmove betreibt das führende Immobilienanzeigenportal im Vereinigten Königreich. Ob Kauf oder Miete – für Suchende wie auch für Makler führt kaum ein Weg an der Plattform vorbei. Genau darin liegt die Stärke des Geschäftsmodells: Je mehr Objekte gelistet sind, desto attraktiver wird das Portal für Nutzer – und umgekehrt. Dieser selbstverstärkende Netzwerkeffekt macht einen Ersatz praktisch unmöglich.
Vergleichbare Modelle funktionieren international hervorragend, etwa bei AutoTrader (Fahrzeuge), MoneySuperMarket (Versicherungen) oder Scout24 (Immobilien). Makler mögen die Marktmacht der Portale nicht immer – nutzen müssen sie sie dennoch.
Außergewöhnliche Profitabilität
Ein Blick auf die Finanzzahlen unterstreicht die Qualität des Unternehmens. Trotz zuletzt leicht gesunkener Nettomargen erzielt Rightmove weiterhin Margen von über 50 % – ein Niveau, das in Europa fast ausschließlich im Kleinanzeigen- und Plattformgeschäft zu finden ist. Selbst in schwierigeren Marktphasen bleiben die Erträge bemerkenswert stabil.
Bewertung: Vom Premium zur Chance
Die Aktie war über viele Jahre sehr hoch bewertet. Infolge des schwachen britischen Immobilienmarkts, höherer Investitionen und einer allgemein negativen Stimmung gegenüber europäischen Aktien ist Rightmove jedoch deutlich zurückgekommen. Aktuell notiert das Unternehmen auf einem historisch niedrigen Bewertungsniveau von rund 17–18x erwarteten Gewinnen. Im Kursbereich um 500 Pence zeigt sich zudem eine technische Unterstützung.
Hinzu kommt eine Dividendenrendite von rund 2 %, die für internationale Anleger in der Regel quellensteuerfrei ist.
Warum der Kurs gefallen ist – und warum das nicht negativ sein muss
Ein wesentlicher Grund für die schwächere Kursentwicklung sind erhöhte Investitionen, insbesondere in Künstliche Intelligenz. Kurzfristig belastet das die Marge, langfristig stärkt es jedoch das Produkt. Die These, dass KI Immobilienportale ersetzen könnte, gilt als wenig realistisch. Immobilienkäufe sind komplex, emotional und vergleichsbasiert – Nutzer wollen den gesamten Markt auf einer Plattform sehen, nicht einzelne Vorschläge aus einem Chatfenster.
Vielmehr bietet KI Rightmove die Möglichkeit, Anzeigen zu verbessern, Bilder aufzuwerten, Preisfindungen zu optimieren und zusätzliche Services effizienter anzubieten.
Zusätzliche Wachstumspotenziale
Rightmove hat zahlreiche Optionen, den Wert je Transaktion zu steigern, etwa durch:
- Bau- und Immobilienfinanzierungen
- zusätzliche Services für Privatverkäufer
- stärkere Monetarisierung im Commercial-Bereich
Dabei gilt es, das sensible Verhältnis zu Maklern nicht zu stark zu belasten. Dennoch bleibt der Anteil, den Portale an einer Immobilientransaktion verdienen, bislang vergleichsweise gering – hier besteht strukturelles Upside.
Auch Inflation wirkt als Rückenwind: Steigende Immobilienpreise erhöhen automatisch den monetarisierbaren Wert jeder Transaktion.
Übernahmefantasie als zusätzlicher Trigger
Ein weiterer möglicher Kurstreiber ist eine Übernahme. Die australische REA Group, selbst ein Immobilienportal, hatte in der Vergangenheit Interesse an Rightmove signalisiert – zu deutlich höheren Bewertungen. Auch Private Equity wäre grundsätzlich denkbar, wenngleich das Unternehmen dafür bereits eine beachtliche Größe hat.
Fazit: Defensiver Compounder mit begrenztem Risiko
Rightmove ist keine Aktie, die sich kurzfristig verdreifacht. Dafür ist sie ein klassischer Compounder: hochprofitabel, marktführend, mit starken Netzwerkeffekten und solider Bilanz. Auf dem aktuellen Bewertungsniveau erscheinen die Abwärtsrisiken begrenzt, während mehrere mögliche Trigger – Markterholung in UK, Re-Rating, KI-Fantasie oder Übernahme – für positives Überraschungspotenzial sorgen.
Gerade im angeschlagenen europäischen und britischen Aktienmarkt gehört Rightmove zu den Unternehmen, die internationale Investoren gut verstehen und langfristig schätzen dürften.